Zwischenstand LSS und Welt

Figure 4.4: Anforderungen an ein LSS und eine Welt
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Fasst man die bisherigen Erläuterungen zu Morris, Saussure und Peirce zusammen, dann ergibt sich folgender Zwischenstand:

  1. In der Welt $W$ kommen 'konkrete' Objekte $o$ und Zeichenrepräsentanten $r$ vor, die in der Welt eine identifizierbare 'Position' $POS$ haben.
  2. Ferner gibt es in der Welt konkrete lernende Systeme $LSS$, denen auch eine Position zukommt.
  3. Lernende Systeme können ihre Position ändern ('Bewegung', $o_{p}$), sie können einen Zeichenrepräsentanten (als 'Laut') äußern $o_{r}$, und sie können auf ein Objekt 'hin zeigen' ('point') $o_{p}$. (Das $o$ steht hier für 'output')
  4. Eigenschaften, Ereignisse in der Welt können mittels der Welt-Inputfunktion $ainp()$ auf die Sensoren eines lernenden Systems als Input $ I$ abgebildet werden. Es können mindestens die Inputwerte Zeichenrepräsentant $I_{r}$, konkretes Objekt $I_{o}$ sowie 'Zeige-Geste' $I_{g}$ unterschieden werden. Zusätzlich gilt, dass alle Inputwerte innerhalb eines 'Input Feldes' ('field') vorkommen, in dem die 'relative Beziehungen' zwischen den wahrgenommenen Ereignissen 'hinreichend kodiert' sind.
  5. Eigenschaftsmengen können als 'konkrete Objekte' im Bewusstsein $CONSC$ (korreliert mit dem Kurzzeitgedächtnis ('short term memory', STM) der Psychologie) vorkommen.
  6. Konkrete Objekte $o_{i}, r_{i}$ können mittels einer Abstraktionsfunktion $abstr()$ zu allgemeinen 'Kategorien' $CAT$ organisiert werden, die im Nicht-Bewussten $\overline{CONSC}$ (korreliert mit dem Langzeitgedächtnis ('long term memory') der Psychologie) lokalisiert sind. Kategorien gibt es sowohl für Objekte $OCAT$ wie auch für Zeichenmaterial $RCAT$.
  7. Sofern Kategorien zu einem konkreten Objekt $o_{i}, r_{i}$ existieren, kann die Ist-Eine-Funktion $is-a()$ die Zugehörigkeit zu einer Kategorie entscheiden: $is-a: O* \cup R* \mapsto OCAT \cup RCAT$ (mit $R*, O*$ für Mengen von konkreten Objekten).
  8. Die Zeichenfunktion $Int$, die eine Bedeutung zwischen Zeichenmaterial und Objekten festlegt, operiert über Kategorien: $Int \subseteq RCAT \times OCAT$ und ist im Langzeitgedächtnis $LTM$ lokalisiert. Ein 'Auslöser' ('trigger') für ihre Konstruktion kann die 'Gleichzeitigkeit' des Auftretens von einem Objekt aus einer Kategorie von OCAT und dem Zeichenmaterial aus einer Kategorie von RCAT sein.
  9. Sofern ein konkretes Objekt mit einer Kategorie vorliegt, zu dem es eine Zeichenfunktion gibt, kann dieses Objekt $o$ mit einer Benennungsfunktion $name-it()$ 'benannt' werden.
  10. Entsprechend kann ein konkretes Zeichenmaterial $r$, zu dem es eine Kategorie $RCAT$ und eine Zeichenfunktion gibt, zu einer Bedeutungszuordnung mittels der Zeigefunktion $show-it()$ geben.
  11. Während eine Benennungsfunktion zum 'Aussprechen' $o_{r}$ eines Zeichenmaterials führen kann, kann eine Zeigefunktion (Geste, 'gesture') zum 'Zeigen' $o_{g}$ auf ein Objekt führen.
  12. Im Dialogfall kann ein Zeichenbenutzer in der Rolle des 'Sprechers' auf diese Weise 'überprüfen', ob der 'Hörer' das 'Gleiche meint': Wenn er selbst auf ein Objekt 'zeigt' kann er das Aussprechen überprüfen und wenn er selbst 'ausspricht', dann kann er das Zeigen überprüfen.

Gerd Doeben-Henisch 2014-01-14