Ich, Welt, Gott - Notizen eines Zeit reisenden
Christlicher Glaube - Auferstehung

(Letzte Notizen: 17.April  2006)

(Gerd Döben-Henisch)


Status der Notizen: Skizze...


Die christlichen Kirchen führen ihren  Ursprung zurück auf den Glauben an die Auferstehung Jesu von den Toten. Die offizielle Textbasis des christlichen Glaubens konzentriert sich hierbei vornehmlich an den echten Paulusbriefen ('Paulinen') sowie den Evangelien (Mk, Lk, Mt, Joh)  samt der Apostelgeschichte (Apg). Diese Schriften entstanden alle nach dem Tod Jesu, der etwa für 30 AC  (= AD) datiert wird (siehe Schaubild)(Für eine erste Einführung siehe (Conzelmann, H., & Lindemann, A., 2000))

Frühe christliche Quellen
Frühe christliche Quellen

Am frühesten sind die Paulusbriefe, die vermutlich zwischen 50 und 50 AC entstanden sind. Es folgt das Markus-Evangelium, dessen Entstehung während der Zeit des jüdischen Krieges, evtl. kurz nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem, vermutet wird.Das  Lukas- und das Matthäus-Evangelium setzen das Markus-Evangelium und weitere Quellen Q und S voraus. Da die Apostelgeschichte das Lukas-Evangelium voraussetzt, vermutet man die Entstehung des Lukas-Evangeliums zwischen 70 und 80, die Apostelgeschichte zwischen 80 und 100. Das Mathäusevangelium kann zwischen 70 und 100 AC entstanden sein. Obgleich das Johannes-Evangelium eine gewisse Kenntnis einiger der Stoffe aus Mk, Lk und Mt besitzt, gibt es keinen direkten Zusammenhang. Die Entstehung des Johannes-Evangeliums wird in der Zeit 70-90 AC vermutet. Sämtliche Verfasser (ausser Paulus im Falle der Paulusbriefe) sind bis heute unbekannt. Man kann sie nur grob gewissen geographischen und gedanklichen Räumen zuordnen. Mt und Joh sind eher im  jüdischen Denken verwurzelt, Mk und Lk eher dem griechisch-hellenistischen.

Während der historische Jesus keine 'Kirche' gegründet hat, führt die Erfahrung des Auferstandenen nach dem Tode Jesu dazu, dass sich zwischen Menschen die Überzeugung herausbildete, dass die von dieser neuen Einsicht Gezeichneten nun selbst ein eschatologisches Gottesvolk bilden, dessen Aufgabe es ist, Gottes Heilstaten in der ganzen Welt zu verkünden (vgl. Conzelmann/Lindemann 2000:525).

Während in der Frühzeit die Erfahrung des Auferstandenen nur formelhaft weitergegeben worden ist (nirgends liegen detaillierte Ich-Berichte vor, die den psychologischen Vorgang als solchen beschreiben), finden sich später  in den Evangelien und in der Apostelgeschichte detailliertere Berichte. Diese unterscheiden sich aber z.T. mit Bezug auf die genannten geographischen Orte, auf die Zeiten,den beteiligten Personen,  bezüglich des  Inhaltes, sowie der Form. Ihr historischer Charakter ist daher zu bezweifeln.

Entscheidend ist jedenfalls, dass sich aufgrund von berichteten und geglaubten Erfahrungen von Jesus als dem Auferstandenen immer mehr Gemeinden bildeten,in denen die Menschen diesen Glauben besprachen und praktizierten. Dabei lässt sich eine Entwicklung beobachten, die den Kreis der ursprünglich rein jüdischen Christen immer mehr ausdehnte auf zunächst hellenistische Juden und dann auch Nichtjuden. Schon im zweiten Jahrhundert bildeten die rein jüdischen Christen eine Minderheit. In Gestalt der Ebioniten  wurden schon um 180 AC bestimmte radikale judenchristliche Gemeinden, die nur das Alte Testament und das Matthäus-Evangelium anerkannten, als 'Häretiker' bezeichnet (vgl. Conzelmann/Lindemann 2000:533).

Der entscheidende Punkt ist, dass sich in  der Erlebensdimension des Menschen der christliche Auferstehungsglaube als eine veränderte Sicht der Welt konstituiert, aufgrund deren das Verhalten im Alltag samt zugehörigen sozialen Strukturen eine Änderung erfahren. Das beobachtbare soziale Verhalten artikuliert einerseits die veränderte Sicht, wirkt zugleich aber auch auf die Akteure zurück: das veränderte Verhalten unterstützt die Sicht, bestätigt sie.

Diese Aussagen treffen auf alle grossen Religionen zu, insbesondere die sogenannten Offenbarungsreligionen.

Grosse Religionen - Interaktion mit Umwelt
Die grossen Religionen und ihr Umfeld

In dem Masse, als die einzelne Religion sich ein soziales Umfeld aufbaut, das als Ausdruck und Manifestation ihrer eigenen, spezifischen Sicht der Welt aufgefasst werden kann, baut sich eine sozial erfahrbare Realität innerhalb der umgebenen sozialen Realität auf, die von Sichten geprägt ist, die sich möglicherweise von der jeweiligen Religion unterscheiden. Damit kann ein Wertekonflikt entstehen: wenn z.B. die Achtung jedes Menschen in einer religiösen Sicht fundamental ist, dann kann dies in einem gesellschaftlichen Umfeld, das diesen Wert nicht teilt, zu einem Konflikt führen. Historisch standen alle Religionen seit ihrer Entstehung in mehr oder weniger grossen Wertkonflikten mit den umgebenden Gesellschaften. Die Geschichte ist voll von blutigen Verfolgungen und Kriegen im Namen von Religionen und Glauben! Und es ist bezeichnend, dass selbst eine Religion wie das Christentum, das in seinem Kern von einer grundlegenden Achtung des Lebens, einer radikalen Liebe zu den Menschen geprägt ist, es nicht verhindern konnte, dass konkrete Gruppierungen, die sich auf diesen Glauben berufen haben, in der Geschichte zu zahllosen Verfolgungen, Folterungen und Tötungen von Andersglaubenden Anlass gegeben haben. Und auch die Gegenwart des Jahres 2006 ist geprägt von tiefgreifen Wertkonflikten weltweit, die über weite Strecken von Menschen getragen werden, die sich in dem einen oder anderen Sinne 'Gläubige' nennen.

Was man aus all diesem lernen kann --wenn man will-- ist, dass der nominale Glauben an die Auferstehung Jesu, die Glaubenden nicht automatisch und selbstverständlich in Boten der Liebe verwandelt. Damit ein Mensch, der mit einer bestimmten neuen Sicht konfrontiert wird, in all seinem Fühlen, Denken und Handeln zu einem 'Boten der Liebe' wird (statt zu einem Boten von Hass und Tod...) muss er sich tatsächlich und real in seinem ganzen alltäglichen Leben ändern. Wieweit dies ohne direkte Hilfe ('Gnade'...) Gottes möglich ist, ist eine offene Frage. Aber ohne sein eigenes, persönliches, kontinuierliches Engagement wird es jedenfalls nicht geschehen können.  Die Revolution der Liebe ist   etwas vollständig Anderes als die Ermordung und Tötung von anderen Menschen im Namen von wem auch immer. Gott  tötet nie. Gott  schenkt Leben, so wie Menschen, die ihr Leben hingeben für andere.


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